Kinder- und Jugendlichentherapie

Wir nehmen Jugendliche ab 11 Jahren ohne Begleitung ihrer Eltern auf, jüngere Kinder mit einem Elternteil (siehe auch
Mutter & Kind).
Häufige Indikationen in der Psychotherapie der Kinder und Jugendlichen sind Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimie, Adipositas), depressive Syndrome, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen (z. B. als Folgen sexueller und anderer Gewalt), selbstverletzendes Verhalten, Zwangsstörungen, Integrationsstörungen in Schule und Familie, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom), reaktive Bindungsstörungen, Anpassungsstörungen, emotionale Störungen, Enuresis und Enkopresis, Tic-Störungen, psychogene Anfälle. Kontraindikationen sind dissoziale Entwicklung, Drogen- und Alkoholmissbrauch, sexuelle Verwahrlosung.
Klinikeigenes Kinderzentrum
Im hauseigenen Kinderzentrum verbringen Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren unter der Leitung der pädagogischen Mitarbeiterinnen den Tag. Hier erhalten sie in einem strukturierten, haltgebenden Rahmen mit festen, Abläufen und verlässlichen Bezugspersonen verschiedene kreative, bewegungsbezogene und gruppenpädagogische Angebote. Auf Grund der breiten Altersspanne werden die spezifischen Entwicklungsaufgaben der jeweiligen Altersgruppen besonders berücksichtigt und in einer differenzierten Angebotsstruktur aufgegriffen.
Im Gruppenalltag zeigen sich häufig die Muster, die im Lebensalltag der Kinder und Jugendlichen zu Schwierigkeiten führen. In dem geschützten Rahmen der KiJuTa bekommen sie von den Gruppenmitgliedern eine direkte Rückmeldung zu ihrem Verhalten und erhalten von den pädagogischen Fachkräften Unterstützung bei der Entwicklung alternativer Verhaltensweisen.
Ein psychotherapeutischer Prozess ist anstrengend. Die Kinder- und Jugendlichentagesstätte ist daher nicht nur ein Ort sozialen Lernens, sondern bietet auch Rückzugsmöglichkeiten und Ruheinseln zum Entspannen und Kraft schöpfen. Auch gemeinsame Gruppenaktivitäten wie Ausflüge sind Bestandteil des Angebots.
Beobachtungen zu einzelnen Kindern wie auch zu den gruppendynamischen Geschehnissen werden regelmäßig mit den Kinder- und JugendtherapeutInnen besprochen und fließen so in den therapeutischen Prozess ein.
Arbeit mit den Familien
Die Einbeziehung der Familie in den therapeutischen Prozess ist von großer Wichtigkeit. Wir führen deshalb bereits am Aufnahmetag mit den erreichbaren Familienmitgliedern ein erstes Gespräch. Hierbei werden mit den Eltern psychotherapeutischer Auftrag, Dauer der Behandlung, Behandlungsschwerpunkte und die Einhaltung von Hausordnung und Regeln abgesprochen. Erst die Unterstützung der Eltern macht einen therapeutischen Prozess möglich. Das Einhalten der Hausordnung und die Unterstützung der Eltern hierfür hat nicht nur pädagogischen und disziplinarischen Wert, sondern ist ein dringendes Erfordernis, da viele der behandlungsbedürftigen Jugendlichen in diesem Bereich des Sozialverhaltens ausgeprägte Defizite aufweisen. Zur Hausordnung gehört das Rauchverbot für Jugendliche unter 16 Jahren, das Einhalten von Ausgehverbot, absolute Abstinenz in Bezug auf Alkohol, legale und illegale Drogen, der Verzicht auf altersunangemessene sexuelle Betätigungen und der Verzicht auf Selbstverletzung. Im Positiven werden die Jugendlichen von der Hausordnung unterstützt, Kontakt zur Gleichaltrigengruppe zu finden, sich an der therapeutischen Gemeinschaft zu beteiligen, sich an einen geregelten Therapiebetrieb, an die Teilnahme an der Klinikschule und an eine organisierte Freizeitgestaltung zu gewöhnen.
Die Einbeziehung der Eltern in die Planung des therapeutischen Prozesses und die Unterstützung der therapeutischen Hausordnung kann die Eltern bereits anregen, ihre eigene pädagogische Praxis zu reflektieren.
Besondere Berücksichtigung in der therapeutischen Arbeit findet die psychosexuelle Entwicklung der Jugendlichen. An der Schwelle zum Erwachsenwerden ist die Entwicklung einer eigenen Identität durch viele äußere Verunsicherungen gestört und gefährdet. Die Welt der Erwachsenen ist oft noch nicht zu verstehen, das Kindsein möchte noch nicht losgelassen werden. Die Entwicklung zur Autonomie bedeutet für viele Jugendliche eine Verantwortungsübernahme von der sie überfordert sind, z. B. durch ein Zuviel an zu früher Verantwortungsübertragung (Parentifizierung). Umgekehrt finden sich, und nicht nur bei Essgestörten, ausgeprägte familiäre Verstrickungen, aus denen heraus die Familie und auch die Jugendlichen selbst ihre eigene Entwicklung als Bedrohung erleben und zum Stillstand bringen. Der offene stationäre Rahmen bietet dem Jugendlichen einen speziellen Entfaltungsspielraum bei gleichzeitiger angemessener Begrenzung.
Traumatherapie
Viele unserer jugendlichen Patienten haben in ihrer Biografie bereits mehrfach Traumatisierungen durch sexuelle und andere Formen der Gewalt erlebt. In zunehmendem Maße integrieren wir deshalb traumatherapeutische Elemente in die Psychotherapie der Jugendlichen. Am Beginn sind dies vor allem Stabilisierungsprozesse, d. h. die Entwicklung einer Traumalandkarte, eine Bündnisbildung mit dem gesunden nichttraumatisierten Persönlichkeitsanteil und die psychische Stabilisierung durch Nutzung des haltgebenden therapeutischen Rahmens. Spezifische Elemente der Traumatherapie sind im Anschluss an die initiale Therapiephase dann die Vermittlung spezieller Stabilisierungstechniken, verhaltensmodifizierende Therapien in Gruppen, tiefenpsychologisch fundierte Einzeltherapie (narrative Traumatherapie) sowie das Prozessieren traumatischer Erfahrungen mit EMDR als Einzel- und Gruppentherapie.
Pädagogische Führung
Durch Übernahme klar definierter und altersentsprechender sozialer Dienste in der therapeutischen Gemeinschaft und durch Teilnahme an den sozialpädagogischen Jugendgruppen wird ein strukturierter Rahmen vorgehalten, der den Jugendlichen Orientierung gibt, der ihnen aber auch Gelegenheit zur Auseinandersetzung bietet. Dieser Rahmen fördert zugleich den kreativen Austausch mit der Peergroup unter Anleitung eines Sozialpädagogen. In diesen sozialpädagogisch geleiteten Jugendgruppen werden die Integration in die gesamte therapeutische Gemeinschaft, in die Peergroup, Freundschaften, auch zum anderen Geschlecht, Umgang mit Sexualität, Freizeitgestaltung, Konfliktklärung, auch aktuelle politische Ereignisse die in besonderem Maße Irritation und Ängste auslösen, durchgearbeitet.
Klinikschule
Die Klinikschule ist staatlich anerkannt und bietet Unterricht für alle Schularten an. Der Konzeption des Psychotherapeutischen Zentrums entsprechend, will die Klinikschule jeder Schülerin, jedem Schüler dazu verhelfen, die eigenen Stärken (wieder) zu entdecken und so den Weg zu angemessener Leistung, persönlicher Stabilität und Gemeinschaftsfähigkeit zu finden.
In engem Kontakt mit der Heimatschule werden die Kern- oder Prüfungsfächer mit Vorrang behandelt. Auch während der Ferien findet Unterricht statt, damit möglichst kein Schuljahr verloren geht. Wer Defizite mitbringt, dem bietet die Klinikschule individuelle Diagnose und Hilfe an. Darüber hinaus bearbeiten wir gemeinsam vereinbarte Themen und Projekte, zum Teil auch als Angebote in der Freizeit oder am Wochenende. Gegenseitige Unterstützung und Gestalten einer Schulgemeinschaft gehören zu den sozialen Lernzielen der Klinikschule.
Auch wer nicht mehr schulpflichtig ist, kann die Angebote der Klinikschule wahrnehmen (z. B. Lernmaterial aller Art, Bibliothek, Lern- und Schullaufbahnberatung, Berufs- und Studienorientierung, Test- und Bewerbertraining, ...).
Organisatorisch ist die Klinikschule eine Außenstelle der privaten "Schule für Kranke" des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim.
Kreative Therapie und Sport
Bestandteil des gesamten therapeutischen Prozesses sind auch die sportliche und die kreative Betätigung. Alle Jugendlichen nehmen mehrfach wöchentlich am Frühsport teil, sie haben Gelegenheit zum Schwimmen im Bewegungsbad, zum freien Schwimmen und zur Teilnahme am therapeutischen Reiten. Kreative Therapie und allgemeine Förderung von Kreativität findet in der Kunsttherapie und Musiktherapie statt.
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Therapieabschluss
Am Ende der Behandlung steht die Planung und Vorbereitung der Reintegration in den Lebensalltag. Dies umfasst intensivierte Familiengespräche, Klärung der Schul- bzw. Ausbildungsziele, bei Bedarf Vermittlung von Jugendlichen in betreutes Wohnen oder in rehabilitative Einrichtungen.

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