Von der modernen Traumatherapie sind intensive Impulse ausgegangen für die Weiterentwicklung der stationären Psychotherapie. Schritt für Schritt haben sich bei der Auswertung von Traumatherapien einige wesentliche Prinzipien gezeigt: Absolut grundlegend war die Erfahrung, dass psychische Heilung auf der Aktivität eines psychischen Selbstheilungssystems beruht. Daraus ergibt sich die klare Aufgabe an die psychotherapeutische Klinik, Strategien zu entwickeln, die zur Unterstützung selbstorganisatorischer Heilungsvorgänge geeignet sind.

Eine zweite grundlegende Erkenntnis war, dass Emotionen sowohl bei der Krankheitsentstehung als auch bei Heilungsprozessen eine zentrale Rolle spielen. Negative unverarbeitete Emotionen von traumatischer Stärke blockieren die seelische Entwicklung, gleichzeitig stehen im Kern der positiven, heilungskompetenten Fähigkeiten der Persönlichkeit ebenfalls emotional positive Erfahrungen.

Die negativen traumatischen und die positiven gesunden Erfahrungen stehen sich gleichsam gegenüber, sie bilden das bipolare Prinzip. Die positiven Erfahrungen der Person werden auch als Ressourcen bezeichnet. Ein gutes Gefühl für die eigene Gesundheit, also ein guter Kontakt zu diesen Ressourcen, ist für erfolgreiche Heilungsprozesse von größter Bedeutung. Die Beschäftigung mit ungelösten Problemen bildet deshalb nur eine Seite der Psychotherapie. Die Beschäftigung, das Kennenlernen, das Neuorganisieren und Erweitern der eigenen Ressourcen ist ein mindestens genauso wichtiger Bereich. Die Strategien, mit denen man Menschen helfen kann, ihre eigenen Ressourcen kennenzulernen und zu verbessern, sind in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Aus solchen Erfahrungen heraus wurde das Mergentheimer Modell (Vier-Phasen-Modell) der stationären Psychotherapie entwickelt, welches der Arbeit unserer Kliniken zu Grunde liegt. Die vier Phasen werden als Stabilisierungsphase, Ressourcenorganisation, Exposition und Neuorientierung bezeichnet. Sie bilden den natürlichen Heilungsprozess ab.